Regulierungsinitiative zu virtuellen Währungen in New York befeuert Innovation

Mrz 11, 2015

Aktuell läuft die dritte und voraussichtlich letzte öffentliche Kommentierungsperiode für das Bitlicense Framework, ein rechtliches Rahmenwerk zur Regulierung von virtuellen Währungen im Staat New York. Damit wird ein Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes im 2. Quartal 2015 oder spätestens Anfang des 3. Quartals immer wahrscheinlicher.

Die BitLicense Initiative wurde ursprünglich gestartet, um die Konsumenten von Kryptowährungen (Crypto Currencies) besser zu schützen. Im Vorfeld gab es teilweise den Eindruck, dass es rein um die Regulierung von virtuellem Geld für Computer-Spiele und zur Handhabung von „Gift Cards“ geht. Im Laufe des Regulierungsverfahrens wurde immer deutlicher, dass die Schaffung der Möglichkeit zur Ausgabe von privaten Währungen in Form von virtuellen Währungen eine erhebliche Rückkopplung auf das allgemeine Finanzsystem haben wird. Außerdem steigt die Akzeptanz von einigen Kryptowährungen (z.B. bitcoin) auch auf Konsumentenseite schon jetzt ohne die Regulierung  sehr stark. Daher wurden die Einzelbestimmungen im Rahmen des Regulierungsverfahrens deutlich verfeinert und an die Anforderungen von klassischen Institutionen stärker angepasst. Zum Beispiel wurde die Pflicht zu Programmen zur Vermeidung von Geldwäsche (AML – anti-money laundering), die Pflicht für Internetsicherheit (Cyber Security) und Notfallplanung (Disaster Recovery) und auch die Pflicht zur Meldung von Änderungen im Produktangebot klar geregelt.

Inbesondere in den USA hat die Regulierungsinitiative in New York schon jetzt erhebliche Venture Capital Investitionen ausgelöst. Im Juni 2013 waren gerade mal 17,1 Millionen US Dollar in 7 Bitcoin related startups investiert. Bis zum Juli 2014, ist diese Zahl auf über 2040 Millionen US Dollar für mehr als 49 verschiedene Firmen angewachsen – ein Wachstum von ca. 1200% in einem Jahr (Quelle: Coindesk, State of Bitcoin Q2 2014, vorgelegt auf der CoinSummit Conference am 10.07.2014 in London). Aktuell gibt es mehr als 400 Firmen im Bitcoin-Umfeld allein. Venture Capital Investments rund um virtuelle Währungen und damit zusammenhängende FinTech-Themen haben in den letzten Wochen sogar noch erheblich zugenommen und zeigen beim Volumen pro Runde, dass der Abschluss der Regulierung fest erwartet wird. So wurden im Februar z.B. Finanzierungsrunden bei CoinBase (Fokus auf Wallet und Exchange) mit über 75 Millionen Dollar, mit 30 Millionen bei Ripple Labs (Fokus auf Payment Netzwerk) und bei 21 Inc. (Fokus auf Komponenten zur Schaffung und Nutzung von bitcoin) im März mit über 116 Millionen Dollar abgeschlossen.

Die Schaffung eines verfeinerten Regulierungsrahmens schafft das nötige Vertrauen, um diese Venture Capital Investments zu rechtfertigen. Die oft geäußerte Kritik an der Überregulierung ist dort berechtigt, wo junge Firmen vom Markt gedrängt oder gar nicht erst zugelassen werden. Kritik, die ideologisch aufgrund des Gründungsmythos von virtuellem Geld an der Regelsetzung durch den Staat erfolgt, wird sich auf Dauer nicht durchsetzen, da gerade die Regulierung die Sicherheit für weitere Investments zu diesem Thema schafft. Vielmehr sollte die Chance betont werden, dass neben monopolistischen Zentralbanken in Zukunft auch private Firmen in die Lage versetzt werden, Geld zu emittieren (auch wenn es erst einmal nur virtuelles Geld genannt wird). Diese staatlich zugelassene Ergänzung des bisherigen Geldsystems durch weitere Währungen ist das Besondere neben der Nutzung der neuen Technologien, was Innovationen im Sinne echter praxisrelevanter neuer Währungen und Dienstleistungen im globalen Maßstab ermöglicht.

Peter Reuschel, Berlin, März 2015

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Peter Reuschel

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Peter Reuschel ist Mitbegründer und COO von Leondrino Exchange, Inc. und kann Erfahrung als Serien-Unternehmer und im Venture Capital vorweisen. Im Anschluss an sein Informatik-Studium sammelte er beruflich Erfahrung bei IBM und SAP.